Weimarer Forum Zahnmedizin

Das Forum für unternehmerisches und fachliches Praxismanagement

Interviews & Artikel

Hier können relevante Interviews und Artikel nachgelesen werden.


Artikel "Im Namen der Wahrheit" im FVZL Sturmvogel Nr.18

Oktober 2017

Der Sturmvogel (Mitgliederzeitung des Freien Verbandes Zahntechnischer Laboratorien FVZL) veröffentlicht den Leitartikel "Im Namen der Wahrheit" von Dr. Kerstin Blaschke:


Zitat:

... Nur wer das Vertrauen der Patienten gewinnt, kann tiefgreifende strukturelle Veränderungen im System erfolgreich angehen. Medizinische Qualifikationen allein reichen nicht aus. Vertrauen generiert nur, wer ausschließlich zugunsten des Patienten handelt. Dafür braucht es einen Schulterschluss aller Akteure. ...



Interview in der zm online 2017/21

1.11.2017

Im Rahmen des zm Artikels "Frauen sind nicht Männer in kleiner und rosa!"  wurde ein Auszug aus einem Interview mit ZoRA-Initiatorin Dr.-medic/ IfMT Kerstin Blaschke, MSc (KB) zur Frage: „Braucht Deutschland noch Zahnärztinnenverbände?" veröffentlicht.

Allen Interessierten geben wir hier die Gelegenheit, das vollständige Interview mit zm-Redakteurin Sara Friedrich (sf) nachzulesen:

zm: Frau Blaschke, Sie haben das ZoRA Netzwerk gegründet – was hat Sie damals beflügelt und was hat sich seitdem aus Ihrer Sicht konkret getan?

KB:

Alles begann mit der Idee ein offenes, un-abhängiges und generationsübergreifendes Forum für Zahnärztinnen zu schaffen. Ein Format in dem Erfahrungen ausgetauscht, Fragen beantwortet und Unterstützung für berufliche Projekte und berufspolitisches Engagement geboten werden können.

Das Ergebnis war, dass ich in 2008 das ZoRA Netzwerk gründete. Für mich sind soziale und berufliche Kontakte vor allem eine Frage der Kommunikation- Verständigung und Interaktion. Ich bin davon überzeugt, dass ein über-regionales Netzwerk für Zahnärztinnen eine geeignete Plattform ist, um den weiblichen Komponenten im zahnärztlichen Berufsstand eine eigene Form der Einflussnahme und des Ausdrucks zu geben. Der provokante Name „ZoRA – Zahnärztinnen organisieren Recht und Arbeit“ hat bis heute seine  starke Signalwirkung nicht verloren.


Das Motto des Netzwerkes „Kompetenz durch Verbundenheit“ stellt Frauen in den Mittelpunkt, schließt aber Männer ausdrücklich mit ein. In Beruf und Politik müssen Frauen nicht nur wissen was sie erreichen wollen, sondern es auch artikulieren und durchsetzen.

Mein Ziel ist es, Frauen darin zu bestärken, sich für eine freie selbstbestimmte Berufsausübung zu entscheiden. Aber ich muss sie auch davon  überzeugen, Verantwortung zu übernehmen und ihr Wissen und Können in die Berufspolitik einzubringen. Es freut mich zu sehen, dass es inzwischen kaum einen Vorstand in der Standespolitik gibt, in dem nicht auch eine Frau aktiv ist, aber gemessen an der Zahl der Zahnärztinnen in eigener Praxis ist der Anteil noch immer verschwindend gering.


zm: Wer hat Ihnen zwischendurch die Steine in den Weg geworfen – bitte nennen Sie Beispiele?

KB:

Johann Wolfgang von Goethe hat einmal geschrieben: „Alles auf der Welt kommt auf einen gescheiten Einfall und auf einen festen Entschluss an.“ An beidem mangelt es mir nicht!

Mein erster Artikel 2006, der sich mit dem sich ankündigenden Strukturwandel im Gesund-heitssystem und den daraus resultierenden standespolitischen Herausforderungen an den zahnärztlichen Berufsstand befasste, trägt den Titel „Heraus aus der Kuschelecke“. Es gelang mir damit, die Aufmerksamkeit auf die Thematik der überdurchschnittlich gewachsenen Zahl von Zahnmedizinstudentinnen und die sich an-bahnenden veränderten Anforderungen an die Berufsausübung zu lenken.


Ich habe seit dem viele politische Diskussionen geführt und oft ging es dabei heiß her und nicht immer fair. Ich habe von Einsicht und Zu-stimmung bis Unkenntnis der Fakten und aggressiven Machtgehabe alles erlebt.

Fakt ist, wir brauchen deutlich mehr Offenheit gegenüber dem Blickwinkel und den Argumenten des Anderen. Wir brauchen eine sachorientierte politische Streitkultur, welche die Kompetenzen der Einzelnen nutzt und Ergebnisse hervorbringt. Die Zeit der Seil-schaften ist vorbei. Für mich ist und bleiben Respekt und Integrität das Wichtigste im Umgang miteinander.


zm: Zwischenzeitlich veranstalten Sie allein den Kongress Weimarer Forum Zahnmedizin – was treibt Sie an?

KB:

Das Weimarer Forum ist in den vergangenen Jahren zu einer festen Institution geworden und viele ehemalige Teilnehmer wünschten sich nach meiner Abwahl als Bundesvorsitzende eine Fortsetzung.

Es wurde Zeit, gewachsene Beziehungen in guten Gesprächen zu erneuern und neue Impulse für Kommendes zu sammeln. Aus diesem Grund habe ich mich, trotz einiger Widerstände dazu entschlossen, Das Weimarer Forum weiterzuführen. Es ist mein Selbst-verständnis, eine derart erfolgreiche Ver-anstaltung nicht von meiner Position in einem Verband abhängig zu machen.


Es hat sich gezeigt, dass die im Umfeld ent-standenen Aktivitäten für die Zahnärztinnen immer wichtiger geworden sind. Abgesehen davon werden wir in den kommenden Jahren durch unser zahlenmäßig enormes Wachstum eine Schlüsselrolle in der zahnmedizinischen Versorgung einnehmen. Was liegt also näher, als das Forum weiterzuführen und zu einem Machtinstrument auszubauen, von dem in den kommenden Jahren Ideen und Denkanstöße ausgehen werden. Mein Ziel ist es, daraus einen weiblichen zahnmedizinischen Thinktank zu machen.


zm: Und was hielten Sie heute von einer Zahnärztinnenquote in der Standespolitik?

KB:

Ganz ehrlich? – Ich finde es erbärmlich, dass wir im Jahr 2017 in Deutschland immer noch über eine Frauenquote in der zahnärztlichen Standespolitik diskutieren. Was soll das bringen, frage ich Sie? Werden die Ergebnisse unserer standespolitischen Gremien per se besser durch die routinemäßige Besetzung einzelner Positionen mit Frauen? Wie hoch muss denn die Quote sein, um neben einer quantitativen auch eine qualitative Veränderung zu bewirken? Das wäre aus meiner Sicht der einzige Grund für die Forderung nach einer Quote, ganz gleich ob in Politik oder Wirtschaft. Männer waren bisher überproportional stark vertreten. Das war nicht schlecht. Aber die Zeiten ändern sich und die Frauen werden Wege finden. Davon bin ich fest überzeugt. Eine Frauenquote kann diesen Prozess unter Umständen beschleunigen, aber letztendlich entscheiden Kompetenzen über Ergebnisse und es macht keinen Sinn, einfach nur Frauen gegen Männer zu tauschen.


Frauen sind nicht die besseren Männer! Frauen haben Führungsqualitäten, das nötige Wissen und Können. Mit Selbstvertrauen in ihre Kompetenz agieren sie ebenso souverän, wie ihre männlichen Kollegen. Die gläserne Decke sollte kein Hinderungsgrund sein.

Frauen sollten die Herausforderung annehmen und Männer sich von ihrem übertrieben Machtreflex, Bestehendes zu zementieren, lösen. Um Frauen in Führungspositionen zu bringen, braucht es keine externen Regle-mentierungen wie eine Frauenquote. Zuallererst brauchen Frauen Selbstvertrauen in ihre eigene Stärke und die Souveränität und das Selbstverständnis für ihren Führungsanspruch offen einzutreten. Und wenn die Ergebnisse stimmen, steht ihnen  Respekt und Anerkennung ebenso zu, wie ihr Platz im Führungsteam.


zm: letzte Frage: „Braucht Deutschland heute noch Zahnärztinnenverbände?“

KB:

Ich war der Meinung, wir brauchen nicht noch mehr Verbände, sondern einen starken Verband, der in der Lage ist, den verschiedenen Strömungen eine gemeinsame Richtung zu geben. Aus meiner Erfahrung als Vorstand denke ich heute, dass es zu lange braucht und zu viel Energie kostet, verkrustete Strukturen aufzuweichen und zu modernisieren. Wir leben in einer Zeit struktureller Veränderungen und Neuausrichtung in fast allen Bereichen unseres Lebens. Allein das deutsche Gesundheits-system bedarf einer grundlegenden Um-strukturierung und Neuausrichtung.


Der Berufsstand hat sich von einer Männer-domäne in einen von immer mehr Frauen ausgeübte Profession gewandelt. Die sich daraus ergebenden Anforderungen an eine freie selbstbestimmte Berufsausübung zu definieren und einzufordern hat die Standespolitik bisher versäumt. Wir müssen für uns definieren: Wie soll die moderne Freiberuflichkeit aussehen? Wir müssen die Antworten liefern, nicht das Kapital und nicht der Staat!